Das Pfandleihhaus

24. Februar 2010

Über eine Million Deutsche, die vorübergehend knapp bei Kasse waren, führte allein im Jahr 2007 der Weg zum Pfandleiher, wie der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP) erklärt. Sie alle versetzten Wertvolles wie ihre Autos, Boote, Schmuck oder Münzen, um kurzfristig an Geld zu kommen. Ohne Schulden bei der Bank machen zu müssen, ohne Bonitätsprüfung, ohne Schufa-Abfrage. Ein Kredit im Pfandhaus ist konkurrenzlos schnell und unbürokratisch zu bekommen. Der Haken: Geldleihen gegen Pfand ist nicht billig. Die Zinsen können sich schlimmstenfalls bis auf 40 Prozent pro Jahr summieren.

Was die Bundesbürger ins klassische Leihhaus tragen, sind vor allem Schmuck, Juwelen und Uhren. Verpfändet werden aber auch wertvolles Porzellan, antike Teppiche,  Spielkonsolen oder die Münzsammlung. Handys, Laptops und Digitalkameras nehmen die Leihhäuser hingegen nicht gern an. Elektronik veraltet zu schnell. Immer mehr Bundesbürger versetzen aber auch ihr Auto oder Motorrad. Ob schicker Geländewagen, gepflegtes Mittelklassefahrzeug oder Luxuskarosse –  insbesondere zu Weihnachten, wenn im Urlaub zum Jahreswechsel so manches Auto entbehrlich wird. Stimmt die Haushaltskasse im nächsten Jahr wieder, kann der Wagen jederzeit ausgelöst werden.

Zur Klientel der Leihhäuser gehört vor allem die breite Mittelschicht: Vom Freiberufler, über Senioren, kreditunwürdige Verbraucher bis hin zum Zahnarzt, der sich rasch frisches Geld besorgen will, sind die unterschiedlichsten Bevölkerungskreise vertreten. Werte verpfänden gilt mittlerweile als bequeme Alternative zum Konto-Überziehen oder Ratenkredit. Das Prinzip Geld gegen Pfand macht Gehalts- und Vermögensnachweise überflüssig. Wer ins Pfandhaus geht, macht nicht einmal Schulden. Wer seine Schätze ins Pfandhaus bringt, bekommt in der Regel etwa 50 Prozent des geschätzten Verkaufswerts angeboten. Das gilt für klassische und staatliche Leihhäuser genauso wie für den Fahrzeugbereich – selbst wenn einige Anbieter im Internet vollmundig mit Bestpreisen bis zu 70 Prozent werben. Nicht jeder Betrieb schätzt und beleiht gleich fair. Wer Bestpreise will – ganz gleich, ob für Preziosen oder Autos -, muss Angebote und Gebühren vergleichen.

Im Kfz-Bereich wird meist nach DAT-Liste geschätzt, einer Bewertungstabelle der Deutschen Automobil Treuhand. Ist danach ein Auto noch 12 000 Euro wert, könnte der Besitzer mit maximal 6000 Euro Kredit rechnen – würde der Anbieter nach der Begutachtung nicht meist noch Defekte, Kratzer und Dellen abziehen. Auf den ersten Blick scheint die Pfandleihe günstig zu sein, etwa im Vergleich zu einem Dispo-Kredit: Pro Monat fällt fürs Beleihen ein Prozent Zinsen an. Das ist seit Jahrzehnten vom Gesetzgeber so festgeschrieben. Bei 250 Euro Bargeldauszahlung wären also 2,50 Euro Zinsen pro Monat fällig.

Ab 300 Euro aufwärts heißt es beim Gang zu privaten Leihhäusern aber aufpassen. Ab dieser Grenze fallen die Vorgaben bei den Privaten weg. Je nach Kreditsumme können schnell 3,5 Prozent Zinsen monatlich anfallen, wie Verbraucherschützerin Laag warnt. „So können Jahressätze von über 40 Prozent zustande kommen.“ Die vier Leihämter unter staatlicher und kommunaler Aufsicht verlangen in der Regel generell nicht mehr als ein Prozent. Zum Zins kommen Kosten für Schätzung, Lagerung und Versicherung der Werte. Diese Gebühren bewegen sich zwischen 2,5 und 3,5 Prozent. Wer sein Auto versetzt, muss außerdem noch tägliche Standgebühren zwischen 1,50 und fünf Euro zahlen.

Beispiel: Wer 1000 Euro für sein Auto bekommt und es nach 30 Tage wieder auslöst, zahlt für das Kurz-Darlehen etwa 120 Euro an Zinsen und Gebühren. Bei 10 000 Euro Kreditsumme werden bei Rückzahlung im gleichen Zeitraum 525 Euro fällig, nach drei Monaten schon 1575 Euro. Vorsicht: Wer am Anfang eines neuen Monats abholt, wird für den vollen Monat zur Kasse gebeten. Je schneller man ein Pfand wieder ausgelöst, desto preiswerter wird der Kredit. Wer viele Monate mit dem Abholen wartet, muss ordentlich zahlen. Die Kosten summieren sich schnell, vor allem bei hohen Darlehenssummen.

Über 90 Prozent der versetzten Gegenstände werden Branchenangaben zufolge später wieder abgeholt und gegen Bares plus Gebühren ausgelöst. Dafür hat der Kunde mindestens drei Monate Zeit. Kann er das Geld nicht so schnell auftreiben, wird der Vertrag verlängert. Zugleich verteuert sich der Kredit. Am Ende steht notfalls die Zwangsversteigerung. Ist man so klamm, dass man seine Wertgegenstände nicht mehr abholen kann, sollte man von vornherein nach einem Ankauf fragen, raten Leihhausbesitzer. Das ist häufig möglich. Ansonsten gilt: Verpfändetes darf notfalls versteigert werden. Auktionstermine müssen öffentlich angekündigt werden. Verbraucherschützer raten zur Wachsamkeit. Ein Mehrerlös zur Pfandsumme steht nämlich dem Besitzer zu. Erst nach zwei Jahren verfällt dieser Anspruch ans Finanzamt.

Quelle: http://www.rtl2.de